100 Frankfurter Köpfe
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Prof. Dr. Manfred Niekisch - Frankfurter Köpfe

Prof. Dr. Manfred Niekisch

Nach 25 Jahren praktischer Arbeit im Schutz von Arten und tropischen Wäldern vor allem in Entwicklungsländern einschließlich zehn Jahren als Professor für Internationalen Naturschutz an der Universität Greifswald bin ich nun seit März 2008 Direktor des Frankfurter Zoos. Hier will ich den Zoo als Ort der Erholung und Bildung zu einem international anerkannten Naturschutzzentrum ausbauen und in Verbindung mit meiner Professur an der Goethe-Universität auch die Wissenschaft stärken. Als Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie und Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung engagiere ich mich auch privat in Forschung und konkretem Naturschutz, wobei Beruf und Privatleben fließend ineinander übergehen.

Ihr erster Eindruck von Frankfurt damals?

Ich war ungefähr 14 Jahre alt, mich beeindruckte die Aussicht vom Henninger-Turm und ich war ganz begeistert, dass ich bei meinem ersten Zoobesuch hier zufällig einen Blick auf Bernhard Grzimek persönlich erhaschen konnte, nicht ahnend, was die Zukunft bringen würde. Ansonsten erschien mir, aus dem romantischen Nürnberg kommend, Frankfurt als nicht besonders reizvoll.

Wie würden Sie Frankfurt heute beschreiben?

Die Stadt, in der ich mich seit vielen Jahren wohl und zuhause fühle: weltoffen, gemütlich, eine wirkliche Weltstadt und doch überschaubar, mit einem ausgezeichneten kulturellen Leben. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass der freundschaftliche Verbund zwischen Senckenberg, Palmengarten, Universität und Zoo seinen Teil zum internationalen Ruf der Stadt beitragen kann.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Frankfurt?

In einer so vielfältigen Stadt kann es für mich nicht nur einen Lieblingsplatz geben, aber ein Sitz in der Oper und im Fritz-Remond-Theater gehören mit Sicherheit dazu, und natürlich mein Arbeitszimmer: groß, hell, geräumig, mit vielen Bäumen vor dem Fenster und dem Blick auf „meinen“ Zoo, die grüne Oase mitten in der Stadt, in der sich Tiere und Besucher wohlfühlen.

Welches Lokal/Restaurant besuchen Sie am liebsten?

Bei der kulinarischen Vielfalt wäre es unsinnig, sich auf ein Lokal festzulegen. Sehr gern gehen wir vietnamesisch essen, aber genauso gern richtig frankfurterisch in einer Äbbelwoi-Kneipe. Besonders genießen wir das „Fundus“ nach einem gelungenen Opernabend. Demnächst werden wir die Zoo-Gastronomie umgestalten, dann wird das Zoo-Restaurant mit seiner herrlichen Terrasse sicher ein Lieblingsplatz für Einheimische und Gäste und auch für mich selbst.

Wo möchten Sie in Frankfurt wohnen?

Vielleicht in einer Dienstvilla mitten im Zoo. Aber die gibt es nicht. Einerseits wäre das zwar ein herrlicher Platz zum Wohnen, andererseits wäre mir der Gedanke an einen Umzug nach der Pensionierung, mit all meinen Büchern, dann doch ein Gräuel.

Welche Leistungen Frankfurts bewundern Sie am meisten?

Dass sich das Image von "Bankfurt" und "Krankfurt" in den letzten Jahrzehnten völlig gewandelt hat zu einer liebenswerten Metropole der Kunst, Kultur und Wissenschaft, mit multikulturellem Miteinander als Selbstverständlichkeit, und ich dabei vom jugendlichen Frankfurt-Skeptiker zum Frankfurt-Fan wurde.

Welche Frankfurter Persönlichkeit bewundern Sie am meisten?

Da gibt es einige, lebende und verstorbene Künstler, Wissenschaftler und Politiker, die Bewunderung verdienen, aber Maria Sibylla Merian und Bernhard Grzimek stehen besonders weit oben auf meiner Liste.

Wo waren Sie noch nie in Frankfurt? Wo möchten Sie unbedingt in Frankfurt einmal hingehen?

In den Keller der Deutschen Nationalbibliothek und auf die Spitze des Messeturms.

Welchen Frankfurter würden Sie gerne einmal treffen und kennen lernen?

Den Erfinder der „grünen Soße“, das ist wahrscheinlich eine dieser unbekannten Frauen, die so viel für Frankfurt getan haben. Aber die Chance habe ich wohl verpasst, genauso wie die, Maria Sibylla Merian zu treffen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung in Frankfurt?

Gibt es eine schönere Beschäftigung in Frankfurt als die des Zoodirektors?