100 Frankfurter Köpfe
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Jutta Ebeling - Frankfurter Köpfe

Jutta Ebeling

„Auch in schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht“. Das Zitat stammt von Kant – und es ist ein Motto von Jutta Ebeling. Grüne, Bürgermeisterin in Frankfurt, seit 1989 kommunalpolitisch aktiv. Als Dezernentin für Schule und Bildung, für multikulturelle Angelegenheiten, für Umwelt und Frauen. Ebeling wurde in Oberfranken geboren, in Streitberg. Das passt. Sie ist eine grüne Streiterin und Impulsgeberin.

Ihr erster Eindruck von Frankfurt damals?

1954 – für ein 8-jähriges Mädchen eine riesige Stadt, deren Zerstörung man als Kind kaum erfassen konnte.

Wie würden Sie Frankfurt heute beschreiben?

In Frankfurt wird gesellschaftliche Veränderung am ehesten spürbar, das macht diese Stadt spannend. Hier gibt es im Vergleich zu anderen Städten keine abgeschottete Bussi-Gesellschaft, kein langweiliges Repräsentations-Getue, keine erstarrte High-Society. Die Milieus sind durchlässig, Berührungsängste gibt es kaum. Dadurch entsteht eine fruchtbare, wenn auch streitbare Atmosphäre, die lebendig ist.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Frankfurt?

Mit der Gestaltung seiner Plätze hat Frankfurt bis auf den Opernplatz in der Vergangenheit nicht allzu viel Geschick bewiesen – wie die Konstabler Wache und die Hauptwache immer noch zeigen. Aber die beiden Mainufer sind in den letzten Jahren zu einem echten Glücksfall für unsere Stadt geworden. Und nicht zu vergessen: der Botanische Garten und der Palmengarten.

Welches Lokal/Restaurant besuchen Sie am liebsten?

Ich bin, gemeinsam mit guten Freundinnen und Freunden, eine eifrige Kundin der Frankfurter Gastronomie. Von meinen gern besuchten Lokalen möchte ich hier keines besonders hervorheben, denn die jeweilige Wahl hängt doch immer vom Anlass und der Gesellschaft ab.

Wo möchten Sie in Frankfurt wohnen?

Da, wo ich wohne, im Nordend.

Welche Leistungen Frankfurts bewundern Sie am meisten?

Die traditionelle Offenheit gegenüber Fremden und Fremdem.

Welche Frankfurter Persönlichkeit bewundern Sie am meisten?

Ich bewundere nicht leicht. Aber größten Respekt und Achtung habe ich vor Menschen wie Adorno und Horkheimer, die im Exil nicht nur überlebt, sondern die Frankfurter Schule weiterentwickelt und sie dieser Stadt zurückgegeben und damit verziehen haben. Dafür empfinde ich Dankbarkeit. Leider können manche dieses Geschenk und die Wichtigkeit dieser soziologischen Forschung für die Entwicklung unserer demokratischen Gesellschaft gar nicht ermessen.

Wo waren Sie noch nie in Frankfurt? Wo möchten Sie unbedingt in Frankfurt einmal hingehen?

Ich war überall dort, wo ich gerne hingehe. Vielleicht gibt es aber Orte, die ich nicht kenne, da wäre ich auf Insider-Tipps gespannt!

Welchen Frankfurter würden Sie gerne einmal treffen und kennen lernen?

Ich denke, die meisten Frankfurter Persönlichkeiten habe ich beruflich oder privat schon kennen gelernt. Von den einstigen Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Stadt wäre ich gerne einmal mit Schopenhauer in seiner Frankfurter Zeit zusammen getroffen und mit der gebürtigen Frankfurterin Sybilla Merian, die als unabhängige Frau stets ihrem Forschungsdrang folgte und hohe Risiken einging.

Ihre Lieblingsbeschäftigung in Frankfurt?

Meine Lieblingsbeschäftigungen sind nicht an Frankfurt gebunden: Laufen und lesen kann ich überall. Aber arbeiten tue ich am allerliebsten für diese Stadt.