100 Frankfurter Köpfe
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Harry H. Hochheimer - Frankfurter Köpfe

Harry H. Hochheimer

In unserer Reihe "Gesichter der Stadt" haben wir mit "Wein-Harry" Hochheimer ein wenig Rebensaft verkostet. TEXT: BASTIAN FIEBIG;

LOKFÜHRER, Feuerwehrmann, Geheimagent, Tierärztin, als Erwachsener später vielleicht Popstar oder Modezart - Traumberufe gibt es viele, aber selten sind sich alle so einig, wenn jemand in heimlicher Runde zugibt, dem Beruf Weinberater nachzugehen. Man sieht sich vor seinem geistigen Auge mit den Schönen und Reichen der Welt bei erlesensten Tropfen über gute Musik, das neue Hotel auf den Malediven oder einfach nur über die besten Restaurants der Welt parlieren, um anschließend dem "Kunden" (denn ei­gentlich sind das ja alles gute Freunde) den Keller voll zupacken mit sündhaft teuren Kreszenzen der besten Chateaux des Bordelais.
Dass die Wirklichkeit oft anders aussieht, davon weiß Harry Hochheimer zu berich­ten: "Es ist ein harter Job, wenn du dein Essen mit Trinken verdienen musst", so der nie um einen Scherzoder eine Anekdote verlegene Gormet.
Vom Traumjob zur Knochenarbeit ist es nur ein kleiner Schritt, wenn bei einer Probe 140 Weine verkostet werden wollen - an einem Vormittag. Da rollt der Amateur die Augen nach oben und ergeht sich in Phantasmen von trunkenen Testern, während die jedoch jeden Wein ausspucken, um dem Vollrausch zu entgehen. Der Geschmackssinn wird allerdings in höchstem Maße gefordert, und das mehrmals in der Woche, sodass einem der Spaß da schnell vergehen kann, wenn man nicht so leidenschaftlich an die Sache herangeht wie Harry Hochheimer. Der waschechte Frankfurter Bub absolvierte seine Ausbildung als Koch, Kellner und Betriebswirt an der Hotelfachschule in Heidelberg, bevor es ihn 1977 zur im Aufbau befindlichen Handeisagentur DC Weinimport verschlug. Mit gerade mal vier importierten Weinen ging es los, sein damaliger Chef fuhr nicht gern Auto, also war Hochheimer überall dabei, wo eine Flasche entkorkt wurde, und sammelte auf diese Art und Wei­se einen großen Schatz vinophiler Erfahrungen. Ob mit Joschka Fischer oder anderen prominenten Genussmenschen, immer war "Wein-Harry" zur Stelle, wenn es darum ging, seltene Flaschen zu organisieren und natürlich auch zu öffnen. So wuchs das Unternehmen, und Hochheimer machte sich 1987 selbstständig, ohne jedoch seiner alten Firma vollständig den Rücken zu kehren. Seinen Wohnsitz verlagerte er aufs Land in das verträumte Altendiez, um ab und an dem Trubel der Stadt entrinnen zu können, aber den braucht er dennoch wie die Luft zum Atmen - also zieht er demnächst wieder näher ran an die Metropole, in der er als selbstständiger Weinberater für die Gastronomie arbeitet, Küchenchefs in Sachen Harmonie zwischen Wein und Speisen berät, Trouvaillen besorgt und sich für den Nachwuchs engagiert: Bei IHK-Prü­fungen ist er als Juror dabei und lehrt Wein- und Getränkekunde. Wer sich unter Harry Hochheimer aber einen Menschen mit steifer Oberlippe und der beim Thema Wein so gefürchteten arroganten Art vorstellt, der liegt völlig daneben: "Ich kanns net habbe, wenn Brimborium gemacht wird. Mer kann einem Mensche doch net erkläre, warum ihm der Wein schmecke soll!" Hochheimer ist mit seinen nun beinahe 60 Jahren Seminarleiter aus Passion, der neben seinem professionellen Gewerbe auch "Laien" in die Kunst des Weingenusses einführt, und das zu für ihn durchaus un­vorteilhaften Konditionen, denn allein die Kosten für den Wein übertreffen meist seine Gage. Wenn man aber seinen gern verwendeten Einleitungssatz hört - "Zwei Dinge kann ich net leide: dass Spaß gemacht und denn aach noch gelacht wird!" - und dabei der Schalk in seinen Augen blitzt, merkt man schnell, dass man es mit einem Überzeugungstäter zu tun hat. Die Mode­ration ist humorvoll, flüssig und immer nah am Thema, denn "alle Theorie ist tro­cken". Er bezeichnet sich selbst als einen legalen Drogendealer und einen verrückten Weinfreak, der natürlich gut weiß, dass er bei solchen Workshops den kulinarischen Nachwuchs heranbildet, der später seine Weine in der Gastronomie konsumieren soll. "Wenn die Gastronomen ihre Wein­preise endlich mal moderater kalkulieren würden, dann gingen auch deutlich mehr Flaschen über den Tresen" - eine Erkennt­nis, der sich die von ihm beratenen Restau­rantchefs teilweise schon angeschlossen haben. Seine ganz persönliche Leidenschaft gilt den alten Weinen, die in Jahrzehnten der Lagerung ihre Persönlichkeit heraus­bilden konnten und deren Geschichten er vortrefflich zu übersetzen weiß - mit Humor und Sachverstand.

Ihr erster Eindruck von Frankfurt damals?

Als Frankfurter Bub kann ich mich nur erinnern, an den Wiederaufbau Frankfurts und der Aufstieg zu einer Weltstadt

Wie würden Sie Frankfurt heute beschreiben?

Flair - Charisma - Leben - pulsierend = kurz
"Die schönste Stadt der Welt"

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Frankfurt?

Frankfurt ist so interessant - das ich überall gerne bin, aber Fressgasse und Opernplatz ist auf "Neudeutsch" Geil

Welches Lokal/Restaurant besuchen Sie am liebsten?

Döpfner's im Maingau
Buffalo Steakhaus

Wo möchten Sie in Frankfurt wohnen?

egal - Hauptsache wieder Frankfurt

Welche Leistungen Frankfurts bewundern Sie am meisten?

Neu mit Alt zu kombinieren und zu verschmelzen und das Frankfurt zu den Bankenzentren der Welt gehört

Welche Frankfurter Persönlichkeit bewundern Sie am meisten?

Johann Wolfgang von Goethe - Amsel Rothschild- Walter Kolb - Petra Roth -

Wo waren Sie noch nie in Frankfurt? Wo möchten Sie unbedingt in Frankfurt einmal hingehen?

In den Kulttempel der Sünde "Sudfass"

Welchen Frankfurter würden Sie gerne einmal treffen und kennen lernen?

Johann Wolfgang von Goethe & Petra Roth -

Ihre Lieblingsbeschäftigung in Frankfurt?

Spazieren gehen und neue Eindrücke von Frankfurt gewinnen. Im Gemalte Haus sitze - ein "Musiker" essen und ein Schoppen trinken.