100 Frankfurter Köpfe
Marcus RahnerNicole M. PfefferFrankfurter KöpfeAndreas RistClemens GreveVerena RöseSascha Klein
100 Fragen - viele Antworten
Armin H. Flesch - Frankfurter Köpfe

Armin H. Flesch

Frankfurt hing als (pardon: aus einem Buch der Rüsselsheimer Stadtbibliothek gestohlener) Nachdruck eines Merian-Stichs über meinem Jugendschreibtisch. Die Stadt, in der eine andauernde Stadtbildveränderung die Zeit wie Jahresringe abbildet (sofern man eine Fotokamera oder ein gutes Gedächtnis hat), wurde nach 13 Umzügen zu meinem ersten festen Wohnort. Später mehrfach beabsichtigte Fluchtversuche nach Berlin fanden nie statt, was ich nur sehr selten bereue. Heute arbeite ich als Autor und Journalist und werde wohl hier bleiben.

Ihr erster Eindruck von Frankfurt damals?

Mein erster Eindruck von Frankfurt war überwältigend und prägend. Wir schreiben das Jahr 1967, an der Hand einer Tante stehe ich an einer Verkehrsampel des vor allem von Autos bevölkerten Opernplatzes, in Frankfurt ist Frühjahrsmesse. Mein Blick fällt auf ein gewaltiges sandfarbenes Gebäude, dessen Fenster und Türen im Erdgeschoss zugemauert sind. Doch was mich eigentlich verzaubert und mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: Durch die riesenhaften Fensteröffnungen im ersten Stock sehe ich den Himmel. Das war für den Fünfjährigen der Inbegriff der großen weiten Welt: Prächtige Fassaden ohne erkennbare Funktion, durch deren Fenster man direkt in den Himmel schauen kann – an einem solchen Ort wollte ich später einmal leben. Inzwischen bin ich seit über 20 Jahren Frankfurter, die Alte Oper hat längst ein Dach und der Himmel spiegelt sich in den Glasfassaden der Bankentürme. Aber das allererste Bild ist unvergesslich geblieben und hat sich durch meine Erfahrungen aus mehr als zwei Jahrzehnten bestätigt: Stadtluft macht frei!

Wie würden Sie Frankfurt heute beschreiben?

Bunt.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Frankfurt?

Ein Zuschauerplatz im Theater Willy Praml.

Welches Lokal/Restaurant besuchen Sie am liebsten?

Das "Knoblauch" im Westend.

Wo möchten Sie in Frankfurt wohnen?

Im Nordend – wie bereits seit 15 Jahren.

Welche Leistungen Frankfurts bewundern Sie am meisten?

Die Fähigkeit – und die Bereitschaft – zur Integration. Den Willen zur Stadtbildsanierung. Das Anlagenstatut.

Welche Frankfurter Persönlichkeit bewundern Sie am meisten?

Marcel Reich-Ranicki sel.A., der als junger Mann die deutsche Sprache als das Gebell tollwütiger Hunde erleben musste, und der ihr doch sein ganzes weiteres Leben widmete, der für deutsche Sprache und Literatur schrieb und stritt wie niemand sonst nach 1945.

Wo waren Sie noch nie in Frankfurt? Wo möchten Sie unbedingt in Frankfurt einmal hingehen?

Im Willemer Häuschen.

Welchen Frankfurter würden Sie gerne einmal treffen und kennen lernen?

Barbara Klemm. Christoph Mäckler.

Ihre Lieblingsbeschäftigung in Frankfurt?

Radfahren – außer im Winter. Kaffeetrinken, Orangenkuchen essen und stundenlang Lesen im Café des Liebieghauses, danach Spazierengehen am Main – ganzjährig. Die Buchmesse besuchen.